Der kleine ICE Blog

Das Meisterstück

Einmal die Meisterschale in die Höhe reißen – davon träumt jeder Fußballer in Deutschland. Doch die beste Mannschaft jeder Bundesliga-Saison darf sie nur ein Jahr lang behalten, dann wird sie weitergegeben. Der Verein bekommt eine Kopie für die Vitrine.

Wir haben den Silberschmieden in Bremen, die die Nachbildung fertigen, auf die Finger geschaut.

 

Die Werkstatt

Die Silberschmiede von „Koch & Bergfeld Corpus“ in Bremen stellen Pokale in Handarbeit her. Unzählige Werkzeuge liegen dafür im Regal bereit. Die echte Meisterschale (links unten im Bild, im Koffer) dient als Vorlage für die Kopie. (Bild 1)

Puzzeln

Die meisten Einzelteile liefern Fabriken den Silberschmieden zu. Die größten Stücke sind aus Messing, die Schriftplatten mit den eingravierten Namen der Meistervereine aus Aluminium. Hans-Hermann Grotegeers zeichnet mit einer Schablone aufs Metall, wo er Löcher ins Messingblech bohren muss, um die Teile später zu verschrauben. Danach setzt er die Schale probeweise zusammen. Passt ein Stück nicht genau, feilt er es zurecht. (Bild 2)

Baden

Ihre Silberhaut erhält die Messingschale beim sogenannten Galvanisieren. Dabei leitet Mitarbeiter Dirk Lengelke Strom durch eine Flüssigkeit. Ionen, winzige Silberteilchen, lösen sich von einem elektrisch geladenen Pluspol und fließen zu dem Minuspol: zur Schale. Dort bildet sich ein dünner, gleichmäßiger Metallüberzug. Das Kernstück mit dem Logo des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) bearbeitet Dirk Lengelke mit einem speziellen Stift – mit diesem vergoldet er das Metall. (Bild 3)

Polieren

Die echte Meisterschale hat nach fast 70 Jahren schon einige Kratzer abbekommen. Die Kopie soll makellos aussehen. Deshalb poliert Hans-Hermann Grotegeers jedes einzelne Teil mit einer rotierenden Bürste, bis alles glänzt wie ein Spiegel. (Bild 4)

Veredeln

Ein gutes Auge und eine ruhige Hand benötigt Grotegeers beim Einsetzen der Schmucksteine. In der Kopie sind sie aus Glas, haben aber die gleiche Farbe wie die Edelsteine des Originals. Der Silberschmied bringt sie mithilfe einer Pinzette in die richtige Position und befestigt sie mit einem Spezialkleber. Bei der Arbeit trägt er Handschuhe, um die Schale nicht zu beschädigen. (Bild 5)

Kontrollieren

Sind alle Teile an die richtige Stelle geschraubt? Sieht die Schale aus wie das Original? Grotegeers überprüft noch einmal die Details. Dann ist die Trophäe fertig – und wird auf den Weg zum neuen Deutschen Meister geschickt. Auch dieses Jahr reist das Schmuckstück höchstwahrscheinlich wieder zum FC Bayern nach München… (Bild 6)

Die Meisterschale — eine Legende

Spätestens nach dem 34. Spieltag steht fest, wer in der Bundesliga-Saison die meisten Punkte gesammelt hat und neuer Deutscher Meister ist. Dann drängeln sich die Spieler um die Trophäe, reißen sie hoch und schreien, jubeln, lachen, singen. Die Schale macht dabei jedes Mal viel mit: Beim Feiern wird sie regelmäßig mit Bier übergossen, die Spieler nehmen sie sogar mit unter die Dusche – und der ein oder andere auch mit ins Bett. Übrigens, unter Fußballern trägt die Trophäe den Spitznamen Salatschüssel.

Hergestellt wurde sie im Jahr 1949, nachdem der ursprüngliche Pokal im Zweiten Weltkrieg verloren gegangen war (Im Bild die Spieler des VfR Mannheim bei der ersten Verleihung der neuen Schale). Alle deutschen Fußballmeister seit dem Jahr 1903 sind in das Silber eingraviert. 1981 reichte der Platz nicht mehr aus, deshalb wurde ein äußerer Kranz angefügt – auf dem weitere Zeilen für die Namen der Meister vorhanden sind. In ihrem heutigen Zustand hat die Schale einen Durchmesser von 59 Zentimetern, ist aus Silber, wiegt elf Kilogramm und ist mit zehn Turmalinen besetzt, das sind grüne Edelsteine. (Bild 7)